Als mein Vater an den ersten Sonntagen des Jahres 78 mit mir ins Westendstadion ging, um mir den Lokalfußball vorzustellen, befand sich die Stadt in heller Aufregung. Zumindest die Eberswalder Seite des erst acht Jahre jungen Kunstgebildes Eberswalde-Finow. Aufläufe wie an den Spieltagen von Motor Eberswalde jenes Winters erlebte man ansonsten nur am Ersten Mai. Was nur den Eingeweihtesten bekannt war, die Motor-Führung hatte in jenen Wochen Order, für den Fall des Aufstiegs der Mannschaft in die DDR-Oberliga zu planen. So weit war die Mannschaft von Übungsleiter Siegfried Zühlke gekommen. Da waren genau 45 Jahre vergangen, seitdem zuletzt eine Eberswalder und eine Finower Fußballmannschaft in einer ersten Liga gespielt hatten.
Mein Vater hatte mit diesen Fußballsonntagen meine Begeisterung für den Fußball geweckt. Womit sonst konnte man in Eberswalde die Begeisterung eines Zwölfjährigen wecken? Dies war jener Ort, an dem die Farbe Grau die Welt betrat. Das Erleben dieses plötzlichen Ausbruchs einer hier völlig unbekannten Vitalität, ja einer Leidenschaftlichkeit hatte soweit geführt, dass ich von da an Sportjournalist werden wollte. Nur bekam ich schon mit meinen ersten Beiträgen für den „Neuen Tag“ zu spüren, wohin der Hase auch im Sportjournalismus dieses Landes lief. Um mich den Zwängen der unbedingten Politisierung zu entziehen, floh ich in die Vergangenheit. Ich entdeckte das von Ludwig Arendt in einem Kellerloch am Karl-Marx-Platz verwaltete Archiv der alten Eberswalder Zeitungen. Schon in den frühen 80er Jahren kam ich hier auf die Idee, die Fußballgeschichte des Finowtals aufschreiben zu wollen. Ein Unternehmen, das ich in dem Augenblick aber abbrach, in dem mir bewusst wurde, dass es in der DDR ja in erster Linie um die Reflexion des Arbeitersports gehen müsste, zu dem einerseits kaum Dokumente auffindbar waren und bis heute sind, der andererseits allein in der Tatsache, dass am Ende seiner Geschichte nach 1930 jeder zweite Verein den Namen „Fichte“ trug, ein ebenso uniformes wie in dieser Uniformität langweiliges Erscheinungsbild abgab. Über vierzig Jahre später, 2025, fielen mir nun Dinge vor die Füße, die mir schlagartig klarmachten, wie sehr ich damals geirrt hatte. Gerade eine Fußballmannschaft Fichte Eberswalde schrieb nach 1930 vielleicht die größten Stories im Eberswalder Fußball und ich griff das Unternehmen „Fußballgeschichte des Finowtals“ wieder auf. Vieles, was ich seitdem entdeckt habe, ließ sich vor einem Jahr nicht ahnen, die „Fußballmeisterschaft von Eberswalde“ nicht, die Preußensaison mit zwei Aufstiegen binnen sechs Monaten nicht, die Vorstellung der Generation meines Großvaters, jener alten Männer mit Krückstock und angeleintem Hund, wie ich sie kannte, als Hooligans nicht, die großen Siege Fichtes nicht, die Ereignisse der Vereinsgleichschaltung 1933 nicht und eben die Hintergründe dieser alles überragenden Saison 1977/78 nicht.
Die Geschichte des Fußballs im Finowtal führt uns in eine fremde Welt. Hier am selben Ort, aber für uns heute kaum noch vorstellbar. Bis zu fünftausend Menschen zogen Sonntag für Sonntag auf die Sportplätze, Hunderte Fußball-, Handball- und Hockeyspieler und Tausende Besucher der Spiele. Vor allem das, was sich auf den Sportplätzen zwischen 1905 und 1945 zutrug, hat erstaunlicherweise nie Eingang in Geschichtsbücher gefunden, was NICHT DIE GRÖßTE FUßBALLGESCHICHTE nun nachholt.
Diese unerwartet fesselnde Geschichte wird es ab November aufgeschrieben und in eine wie gewohnt aufwendig gestaltete Buchform gebracht in einer Auflage von 111 Exemplaren geben. Dabei handelt es sich nach der Enträtselung der Hintergründe der versuchten Hebewerkssprengung und des größten Alliiertenluftangriffs über Nordbrandenburg 1945 in NIEDERFINOW um die zweite „Singleauskoppelung“ aus dem Gesamtprojekt jener Recherche über die Zeiträume 1933 bis 1945 und 1945 bis 1955, die weiterhin in Arbeit ist. Das neue Buch wird in der Form der „Olympia 1936“-Bände mit einem umfangreichen Statistikteil über die Jahre 1905 bis 1945 erscheinen, jener mit den einzuklebenden Bildern aus Zigarettenpackungen. Aber keine Sorge, die Bilder sind schon drin. Niemand erhält ein leeres Buch und muss mit dem Rauchen anfangen.
Nur erhältlich auf Lesungen und über www.papierwerken.com
Geplant sind zwischen November und März drei Buchvorstellungen. Die Präsentation des Buches am Hauptort der Recherchen, dem Kreisarchiv Barnim, am 28. November 2026 14 Uhr wird die Anfänge des Fußballs nach der Jahrhundertwende bis zum Weltkrieg, den turbulenten Neuanfang 1919 bis zu jener Saison 1926/27 vor genau einhundert Jahren beleuchten, in der Preußen 09 unter haarsträubenden Umständen zum zweiten Mal in der Berliner Zweitklassigkeit erscheint.
Die zweite Lesung am 9. Januar 2027 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Guten Morgen Eberswalde“ wird sich ab halb elf mit der Saison 1932/33 befassen, dem „Finale Grande“ des großen Fußballs in Eberswalde und Finow, dem Ende des erstklassigen Arbeitersports sowie mit Zerschlagung, Gleichschaltung und Unterwanderung von Gleichschaltung im Fußballsport ab März 1933.
Die dritte Lesung am 9. März 2027 in der Eberswalder Stadtbibliothek geht auf die Saison 1977/78 ein, in der die erste Mannschaft von Motor Eberswalde so hoch stieg, wie keine Fußballmannschaft im Finowtal zuvor oder seitdem. Beinahe die Aufstiegsrunde zur DDR-Oberliga erreicht und das vor der offenen Frage, ob dieser Erfolg von höherer Hand verhindert werden sollte.
Bitte senden Sie mir bei Interesse eine kurze Information per E-Mail an mail@papierwerken.com
Auch alle anderen Bücher sind ab jetzt nur noch per E-Mail bestellbar.
Hans Jörg Rafalski
Seit Jahren mehrfach angekündigt, aber nach wie vor in Arbeit. Mehr als 500 Seiten zum Neuanfang der beiden Städte Eberswalde und Finow ab April 1945, über den Prozess der Wiederherstellung ihrer beiden Kanäle, die Geschichte und den Neuanfang ihrer 16 wesentlichsten Betriebe. Regelmäßig ergeben sich neue Erkenntnisse wie in diesem Jahr zum Luftangriff auf Eberswalde, zum Walzwerk Hoffmann & Motz, zur Papierfabrik Wolfswinkel, die zwingen, noch eingearbeitet zu werden. So wird aus einer zehnjährigen Recherche eine elf- oder zwölfjährige.
Der Inhalt wird nahtlos an „NIEDERFINOW“ anknüpfen, mit dem es mir gelang, die Hintergünde um die versuchte Sprengung des Schiffshebewerks und des größten Alliiertenbombardements eines Ortes nördlich Berlins im Verlauf des Zweiten Weltkrieges aufzuklären. Auch „NICHT DIE GRÖßTE FUßBALLGESCHICHTE“ kommt aus der Geschichte des Frühjahrs 1948, als die SG Eberswalde-Nord in der Endrunde um die Landesmeisterschaft antrat, und hat ein eigenständiges Format erhalten, als sie über diesen Rahmen hinausgewachsen war.
Die drei genannten Bücher fassen bis jetzt schon Recherchen und Interviewergebnisse aus mehr als 20.000 Arbeitsstunden zusammen. Die im Ergebnis entstehenden aufwendig gestalteten, laufend nummerierten Bücher behandle ich als „Privatdrucke“, die ich in Auflagen von nicht mehr als 111 Exemplaren zum Preis der Herstellungskosten abgebe. Daher wird es die Bücher nur noch auf Lesungen und über diese Seite, aber nicht mehr über den Handel geben. Bestellungen bitte ich mir bei Interesse per E-Mail an mail@papierwerken.com zuzusenden. So wie ich schon eine Reihe Vorbestellungen erhalten habe, freue ich mich auch künftig, über Interessensbekundungen an den noch in Arbeit befindlichen Büchern. Sämtliche Vorbestellungen bleiben für Sie unverbindlich.